Heinz-Peter Haustein, FDP -

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Mittwoch, 17. März 2010

Die Suche nach dem Bernsteinzimmer

Es war im Januar 1995, als ich von einem Deutschneudorfer Bürger gebeten wurde, ihn im Krankenhaus Olbernhau zu besuchen. Der Mann lag im Sterben und wollte mir vor seinem Tode etwas Wichtiges mitteilen: Damals, in den letzten Kriegstagen 1945, sei er angewiesen worden, in Deutschneudorf geheimnisvolle Transporte in Empfang zu nehmen. Wo die abzuladenden Kisten letztendlich deponiert wurden, konnte er nicht sagen, wohl aber, welchen Inhalts sie waren: von wertvoller Raubkunst der Nazis war die Rede, darunter das legendäre Bernsteinzimmer.

Vor jenem Tage hatte ich mir nie Gedanken gemacht über den Verbleib des Bernsteinzimmers und anderer Raub- und Beutekunst. Aber seither lässt mich diese Frage nicht mehr los: Konnte es tatsächlich sein, dass vor meiner Haustür, unter meinen Füßen das Bernsteinzimmer verborgen war, oder zumindest Teile davon? Ich begann zu recherchieren und stieß zunächst auf den Nikolai Stollen auf tschechischer Seite.

Als am 1. März 1996 der grenzüberschreitende Wanderweg von Deutschkatharinenberg nach Hora Svaté Kateřiny eröffnet wurde, äußerte ich das erste Mal öffentlich meine Vermutung, dass hier das Bernsteinzimmer liegen könnte. Diese Äußerung stieß auf große Resonanz. Es war an der Zeit, theoretischen Überlegungen praktische Taten folgen zu lassen. Mit der Eröffnung des Besucherbergwerks Nicolai Stollen im April 1998 begann die Suche nach dem Bernsteinzimmer. Parallel dazu mehrten sich die Hinweise von Zeitzeugen, dass es in der Tat gegen Kriegsende viele ungewöhnliche Transporte gegeben hätte. Von Nacht- und Nebelaktionen war die Rede, von LKW, die vollbeladenen ankamen und leer zurückfuhren… Doch wo genau die Ladung abgeblieben war, konnte keiner sagen. Im Mai 1998 erhielt ich jedoch einen Anruf, ich solle nicht auf tschechischer Seite suchen, sondern auf deutscher.

Ich fing abermals an, intensiv zu recherchieren. Wo in Deutschneudorf konnte der Schatz versteckt sein? Nur wenige Akten lieferten Hinweise. Die meisten Schriftstücke waren vernichtet worden oder für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die wenigen Menschen, die Konkreteres wussten, waren bei Androhung der Todesstrafe zum Schweigen verpflichtet worden. Dennoch: Die wenigen Hinweise mehrten sich. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit waren in den letzten Kriegstagen in Deutschneudorf sowohl staatliche als auch sich im Besitz von nationalsozialistischen „Kunstliebhabern“ befindliche Kunst- und Kulturgüter für die Nachkriegszeit versteckt worden.
Im Oktober 1998 schließlich entdeckte ich mit einigen anderen Bergbauenthusiasten in Deutschneudorf einen alten verschütteten Stollen. Mit einer Blechlutte im Durchmesser von 60 cm hatten wir in einer Art Rohrvortrieb versucht, einen Bruch zu durchwühlen. Doch wir kamen nicht weiter. Die Bergsicherung Schneeberg wurde informiert. Tatsächlich gab es hier ein verborgenes Stollensystem, welches kaum dokumentiert war. Sicher ist nur, dass eben diese Grube, die Grube Fortuna, bereits 1882 verwahrt, also fachgerecht stillgelegt wurde. Seither hätte niemand mehr die Grube betreten dürfen…
Ein kaum dokumentiertes Stollensystem, von dem fast niemand weiß und welches seit Jahrzehnten nicht mehr betreten worden war: Wer Wertvolles sicher über längere Zeit zu verstecken hat, würde sich wohl für genau so ein Versteck entscheiden. Die Offenlegung des Stollensystems begann also. In den letzten Jahren wurde tonnenweise Verbruch aus dem Tagesschacht und aus dem Stollen ausgebracht, zudem wurden Bruchsteinmauern zur Sicherung gesetzt. Ein Großteil des alten Bergwerks wurde rekonstruiert, aber bei weitem noch nicht alles. Der positive Effekt dieser Rekonstruktion ist, dass wir im Oktober 2001 das Besucherbergwerk Fortuna Stollen eröffnen konnten, welches sich heute großer Beliebtheit erfreut. Aber das ist trotz allem nur ein Nebeneffekt. Die wirklich spannende Frage ist: Liegt in den verschütteten Gängen des Deutschneudorfer Bergwerks das Bernsteinzimmer versteckt?

Es gibt zahlreiche eindeutige Indizien, die darauf hindeuten. Die Bergsicherung Schneeberg stellte bei ihren Arbeiten vier nicht bergmännisch zu erklärende Verbrüche fest, so auch mit Fremdmaterial zugelegte Querstollen und Risse in der Gesteinsformation eines Stollens, die nicht durch Drücke im Gebirge entstanden sein können. Zudem sind einige Querschläge in keinem noch vorhandenen Bergbauriss verzeichnet. Noch interessanter sind einige Dinge, die im Bergwerk gefunden worden. Es sei in Erinnerung gerufen, dass das Bergwerk 1882 verschlossen wurde. Gleichwohl fand man eine Tasse, die nach Meinung von Experten erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt worden ist. Ebenso fand man ein Stück ausgebrannte Plastik-Zündschnur, die erstmalig 1935 bei der Deutschen Wehrmacht in Anwendung gekommen war. Auch ein Gasmaskenbehälter aus dem Zweiten Weltkrieg wurde gefunden, in welchem sich noch Reste eines Imprägnierungsmittels fanden. Nicht zuletzt wurden auch Uniformreste aus schwarzem Tuch, Knöpfe und eine Maschinenpistole des Baujahres 1944 ent-deckt. Es handelte sich um eine Spezialanfertigung für die SS, angelehnt an die MPi 38/40. Es waren also de facto nach 1944 Nazis in den Gängen des Bergwerks. Das Selbige nach Eisenerz gesucht haben, ist auszuschließen. Ihr Interesse war es mit Sicherheit nicht, etwas aus dem Stollen hinaus zu holen, sondern etwas hinein zu bringen, etwas zu verstecken. Und warum hätten sie dabei solch einen Aufwand betreiben sollen, wenn es sich nicht um etwas sehr wertvolles handelt?

Dass ich auf der richtigen Spur sein muss, zeigen auch die diversen telefonischen und schriftlichen Drohungen, die ich erhalte, seit ich im Fortuna Stollen suche. „Denk daran, dass bei der Suche nach dem Bernsteinzimmer schon 31 Leute gestorben sind. Du wirst der nächste sein.“, heißt es da, oder „Sie werden von allen möglichen und unmöglichen Leuten observiert … Dass die Geschichte neu geschrieben werden muss, wenn Sie Erfolg haben, passt einer ganzen Menge Leute in diesem Land auf keinen Fall. Was Sie finden werden, ist noch wesentlich wertvoller als das Bernsteinzimmer.“ Die Rede ist nicht von Gold-, Silber- und Kunstschätzen, sondern von einer Vielzahl geheimer Dokumente aus der Nazizeit, die versprechen äußerst brisant zu sein. Aber auch die Entdeckung des Bernsteinzimmers, welches seit dem zweiten Weltkrieg als verschollen gilt, wäre eine Sensation sondergleichen. Nicht umsonst wurde der faszinierende Raum mit seiner aus zehn Tonnen Rohbernstein angefertigten Wand-täferung auch als das „achte Weltwunder“ bezeichnet. Das vom Architekten und Bildhauer Andreas Schlüter entworfene und ursprünglich für das Charlottenburger Schloss bestimmte Zimmer war ein Geschenk des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen im Jahr 1716. Fast 400 Jahre später die Möglichkeit zu haben, das Bernsteinzimmer oder zumindest Teile desselben vielleicht wieder an Russland übergeben zu dürfen, ist eine erhebende Vorstellung.

Doch bis es so weit ist, muss noch viel Arbeit getan werden. Das Bergwerk wird unter großen Anstrengungen weiter ausgebaut. Durch Freilegung zugesprengter und versetzter Stollenabschnitte betreten wir ständig Neuland. Gerade in der jüngsten Vergangenheit konnten viele sehr interessante neue Erkenntnisse gewonnen werden. Mittels Tiefenmessungen mit elektro-magnetischen Wellen haben wir im Fels in 20 Metern Tiefe einen künstlich angelegten Schacht entdeckt. In Selbigem lagern offenbar in quaderförmigen Behältnissen verpackt größere Mengen von Edelmetall. Dass es sich dabei um Erz handeln könnte ist ausgeschlossen, es muss Gold oder Silber sein. Hinzu kommt, dass ich auch von Schatzsucher Christian Hanisch bestärkt wurde, in dieser Region zu suchen. Sein Vater war im zweiten Weltkrieg Funker und Navigator der Luftwaffe. In dessen Nachlass fand Hanisch einen Verweis auf von den Nazis versteckte Kunstschätze mit dazugehörigen Koordinaten, die zu Deutschneudorf gehören eben der Stelle führen, an der gerade gesucht wird. Derzeit wird der Bereich gemeinsam mit Geophysikern sukzessive abgesucht. Dabei ist große Vorsicht geboten: Sollten die Nazis tatsächlich wertvolle Schätze in den Tiefen des 7,4 Quadratkilometer großen Bergwerk-Labyrinths versteckt haben, ist davon auszugehen, dass sie Dieselben mit Sprengsätzen geschützt haben. Bei der Suche und Bergung muss die Sicherheit also immer im Vordergrund stehen, weswegen Spezialbaufirmen engagiert wurden.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich die Suche nach dem Bernsteinzimmer von den ersten Tagen an immer aus eigener Tasche finanziert und keinerlei öffentliche Mittel verwendet habe. Die Schatzsuche ist meine größte Leidenschaft und ich stecke sehr viel Herzblut hinein. Ich bin überzeugt, dass wir in dem Stollensystem in Deutschneudorf früher oder später fündig werden. Sollten Sie über Hinweise verfügen, die mir bei der Suche helfen könnten, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir diese zukommen ließen.

Auf dieser Seite werde ich Sie auch in Zukunft über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Sollten Sie an noch detaillierteren Informationen über meine Suche nach dem Bernsteinzimmer interessiert sein, möchte ich Sie auf das von der Gemeindeverwaltung Deutschneudorf in Kooperation mit der Fortuna Bernstein GmbH herausgegebene Buch „Das Bernsteinzimmer im Fortuna Stollen zu Deutschneudorf? Fakten und Vermutungen“ hinweisen. Das Buch ist 2002 in der Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH erschienen und unter der ISBN 3-931770-42-7 erhältlich.


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